Ich bin zu alt “

 

 

 

Gedanken über traditionelles Taekwon-Do

50+

 

Zu alt, zu unbeweglich oder zu viel Stress im Alltag sind einige der Argumente, die Menschen im mittleren Lebensabschnitt, ihre

Lebenssituation charakterisieren.

Aber sind wir wirklich zu alt um uns noch körperlich und geistig fit zu halten?

 

Ist Kampfkunst für mich überhaupt noch machbar?

 

Tatsache ist, dass der Mensch in heutiger Zeit, mit 40 Jahren und Älter nicht mehr als „Alt“ bezeichnet werden kann. Selbst im sogenannten dritten Lebensabschnitt (ab 60 Jahre), sind noch

durchaus in der Lage, uns körperlich und geistig zu entwickeln.Dabei steht nicht im Vordergrund, sportliche Höchstleistungezu vollbringen, sondern sich am machbaren zu orientieren.

Traditionelles Taekwon-Do bietet hier die Möglichkeit, sich ganz individuell zu entwickeln.

Hier wird nicht nur die körperliche Fitness trainiert, sondern vielmehr Körper und Geist in gleichen Maße gefordert und ausgebildet.

 

Laut einer Studie, steht das „gesunde älter werden“,

auf 3 Säulen.

 

Bewegung, Kopfarbeit und ein soziales Zusammenleben.

 

 

1.Bewegung

 

Sicherlich, es gibt viele Möglichkeiten, sich körperlich fit zu halten. Joggen, Radfahren, Tennis, Fitness-Studio oder sonstiger Breitensport ist schon einmal der richtige Weg. Viele Sportarten sind aber zu einseitig ausgelegt, das heißt, es kann zu chronischen Schäden kommen.

 

Traditionelles Taekwon-Do , ist auch aus sportmedizinischer Sicht, eine hervorragende Möglichkeit, Schäden am Stütz- und Bewegungsapparat zu vermeiden. Das betrifft nicht nur sportliche Fehlbelastung, sondern natürlich auch Fehlstellungen die im beruflichen Alltag entstehen (z.B. langes sitzen oder stehen).

 

Auszug aus der Expertise von Dr. Ralf Amann, Universitätsklinik Jena Eisenberg vom 18.08.98, über den Gesundheitsaspekt des Traditionellen Taekwon-Do:

 

Im Vordergrund steht die Ausgewogenheit und enorme Vielfalt, die diese Sportart bietet. Alle sportlichen Hauptbelastungsformen werden trainiert (Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit,Gewandtheit, Koordination) unter strikter Vermeidung einseitiger Belastung. Es erfolgt entsprechend ein ganzheitliches Training mit dem kompletten Bewegungsmaß sämtlicher Körperabschnitte in allen Raumebenen, wodurch insbesondere chronische Schäden am Bewegungsapparat vorgebeugt wird. Unterstützend kommen die umfangreiche Budogymnastik und Haltungsschulung zum Tragen, die in jeder Trainingseinheit zum Pflichtprogramm gehören.

 

Neben der Vermeidung chronischer Sportschäden ist das außergewöhnlich niedrige Verletzungsrisiko im Traditionellen Taekwon-Do sehr wesentlich. Die Techniken werden ausschließlich ohne Körperkontakt ausgeführt, im Gegensatz zu den Semi- oder Vollkontaktvarianten dieser Sportart. Der Sportler erlernt somit eine enorme Körperkontrolle und Koordination, was der allgemeinen Fitness zugute kommt und gleichzeitig das hohe Verletzungsrisiko der Kontaktsportarten ausschaltet“.

 

2.Kopfarbeit

 

Es gibt auch sicherlich hier einige Möglichkeiten, den Kopf „in Form“ zu bringen. Ob Kreuzworträtsel, Schach, Gedächtnistraining oder Gehirnjogging sind für uns machbare Methoden, um das Gehirn wieder in Gang zu bringen. Gerade bei Menschen im mittleren Lebensabschnitt, lässt die Leistung schleichend aber stetig nach.

Durch den automatisierten und technisierten Berufsalltag haben wir oftmals verlernt, unseren Geist auch in anderer Hinsicht zu schulen.

Traditionelles Taekwon-Do bietet hier die Möglichkeit, sich auf das

Lernen“ neu einzustellen. Das geschieht hauptsächlich durch schier unerschöpfliche Variationenvielfalt, die diese Sportart bietet.

 

Im Gegensatz zum „normalen“ Gedächtnistraining, wird der Lerneffekt nicht nur einseitig gestaltet, sondern vor allem die kinetische Komponente effektiv geschult. Durch Bewegungsabläufe die in allen Raumebenen (Oben, Unten,

Vorne,Hinten, Drehungen in alle Richtungen u.s.w.) wird das Zusammenspiel aller Denkprozesse gefordert. Durch die langsame Steigerung der Techniken in Anzahl und Geschwindigkeit, wird im laufe der Zeit, das Denkvermögen bestmöglich geschult und ausgebildet.

 

3. Soziales Zusammenleben

 

In unserer jetzigen Zeit, wo Schlagzeilen wie Ellbogengesellschaft,

Mobbing, Burnout-Syndrom oder auch soziale Ausgrenzung die Schlagzeilen der Medien beherrschen, ist es wichtig, sich wieder

auf die „alten Werte“ zu besinnen.

 

Respekt, Höflichkeit, Bescheidenheit, Integrität, Selbstkontrolle,

Beharrlichkeit und ein unbezwingbarer Wille

 

sind Werte, die wieder einen Platz in unserem Leben finden sollte.

In unserer hoch technisierten Epoche, wo Facebook, Twitter u.s.w. unser Leben beeinflusst, haben wir offensichtlich verlernt, das

persönliche Miteinander in den Vordergrund zu stellen.

Gerade die Generation 40+ steht im „Brennpunkt“ unser schnelllebigen und oftmals gnadenlosen Gesellschaft. Sorgen und Ängste über die eigene Existenz in Beruf und Familie, führen oftmals dazu, sich sozial auszugrenzen. Sozialer Stand,

Religion oder Nationalität, ob Geschlecht oder Alter ist im

Traditionellen Taekwon-Do, kein Mass der Dinge. Was hier zählt,

 

ist der Mensch.

 

Taekwon-Do hilft uns dabei, gelassener zu werden. TKD`ler die mit einem Kopf voller Probleme in den Unterricht kommen, stellen

oft fest, dass sie im Training Spannungen abbauen und abschalten können, was dazu führt, das man die Dinge „entspannter“ wahrnimmt und so einer überlegteren Lösung zuführen kann.

Wichtig ist hier auch das Miteinander. Kontakte knüpfen, Freunde finden oder nur einfach sich in der Gruppe wohl fühlen, ist schon der erste Schritt, sich wieder in die Gesellschaft zu intrigieren.

 

Nicht gegeneinander, sondern miteinander das gemeinsame Ziel erreichen.

 

Das System „Slow Taekwon-Do“,

 

ist speziell für Erwachsene ab 50+ ausgelegt. Hier hat der Übende die Möglichkeit, das Ganze etwas „langsamer“ angehen zu lassen.

Die traditionelle Lehrmethode orientiert sich hier am ursprünglichen, eben traditionellen Taekwon-Do Stil. Er propagiert Taekwon-Do als Kampfkunst, bei der nicht etwa der Wettkampf oder Straßenkampf im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die körperliche und geistige Gesunderhaltung, innere Balance, Bewegungsästhetik und Charakterbildung. Der Lehrer legt dabei größten Wert darauf, das alle Übungen im Unterricht ohne Kontakt verlaufen, da Taekwon-Do nach seinem Verständnis den Körper und Geist aufbauen und nicht schädigen soll. Technisch gesehen wird tradtionelles Taekwon-Do immer weiter vorangetrieben und althergebrachten Techniken mit eigenen, neuen Methoden ergänzt, um ein gesünderes und effizienteres Erlernen zu ermöglichen.

Hier steckt die Grundidee des Slow Taekwon-Do. Techniken werden hier altersgemäß angewandt. Das bewusste Üben mit genauen Erklärungen und exakter Ausführung, führt hier zwar etwas langsamer, aber effektiver zum Erfolg.

 

Jeder DAS, was er kann “, alles in Maßen und nur so, wie es gesundheitlich vertretbar ist.

 

Taekwon-Do ist Bewegung für Geist und Körper, lehrt Respekt, Höflichkeit, Bescheidenheit und Selbstdisziplin, fördert Koordination und Reaktion, aber auch Geduld und Ausdauer.

Ob Meister oder Anfänger, jung oder alt, Taekwon-Do beansprucht die mentalen ebenso wie die physischen Kräfte und Fähigkeiten und fördert ihr harmonisches Zusammenspiel durch jahrelanges Training.

Es ist eine lebenslange Herausforderung und Chance zugleich, körperliche Gesundheit und geistige Stärke bis ins hohe Alter zu erhalten“.

 

 

Wer etwas verändern will, muss etwas bewegen.

Taekwon-Do ist Bewegung.

 

See, you in Class.

 

Autor: Karl Dressel ( IV.Dan)